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kreuzer 09/14 - Theater

Die Entdeckung der jungen Zuschauer: Leipziger Theater haben sich aufs Kinder- und Jugendpublikum eingeschossen

Theater 0914 Das Paradoxon des Zuschauers« nennt Philo- soph Jacques Rancière eine oberflächlich gesehen banale Einsicht: »Es gibt kein Theater ohne Zuschauer.« Stell dir vor, es ist Theater und keiner geht hin? Klar, irgendwann muss auch das am höchsten subventionierte Theater dichtmachen, wenn sich keiner mehr im Parkett oder auf den Rängen blicken lässt. Dagegen heißt es anzukämpfen und das Wegbleiben des Publikums gilt gemeinhin als Ursache wie Symptom der vorgeblichen Dauerkrise des Stadt- theaters. Darum verwundert es nicht, dass Oper und Schauspiel die jungen Zuschauer auch fernab vom obligatorischen Weihnachtsmärchen für sich entdeckt haben. Mit dem Theater der Jungen Welt (TdJW) leistet sich die Stadt einen eigenen Ort fürs junge Publikum, auch wenn dessen Intendant Jürgen Zielinski gern vom »Mehrgenerationenhaus« spricht. Vielleicht kann man einen Kompromiss darauf münzen, dass einige Inszenierungen explizit für sehr junge Gäste ausgeführt sind, andere eher nicht. Die Bilanz der vergangenen Spielzeit ist den Zahlen nach beachtlich: In acht Premieren und zwei Partizipationsprojekten, Sommertheater und Repertoirestücken – insge- samt in 747 Vorstellungen – wurden gut 55.000 Zuschauer gezählt. Das stellt einen Zuwachs von rund 14 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeit- raum dar und entspricht einer Auslastung von 90 Prozent. Als Puppenstück hat sich »Die Schatzinsel« (Regie: Jan Mixa) mit freibeutenden Schrottwichteln und zart-bitterem Seemanns- garn in die kreuzer-Gunst gespielt. Unter den Stücken für die Älteren entfaltete sich »Die Grönholm-Methode« (R: Jürgen Zielinski) als böse wie wendungsreiche Groteske um die Allmachtsfantasien der Personaler in der Bewer- bungssituation. Und an drogeninduzierten Zuständen arbeitete sich das Tanzstück »Crystal« (R: Heike Hennig) physisch intensiv in assozia- tionsreicher Choreografie ab. Im einleitenden Zitat geht es Jacques Rancière allerdings jenseits von Auslastungszahlen um etwas Entscheidenderes, nämlich darum, dass ohne den Zuschauer als Mitwirkenden Theater nicht zu denken ist. Damit ist nicht unbedingt das in Mode gekommene partizipative Mit- machtheater gemeint: Das Zuschauen ist bereits eine Handlung, die Theater erst mit hervor- bringt. »Jeder Zuschauer ist bereits Akteur seiner Geschichte, jeder Schauspieler, jeder Mann der Tat ist der Zuschauer derselben Geschichte.« Zuschauer sein bedeutet demnach immer schon, eine aktive Rolle einzunehmen, auch wenn man nicht auf die Bühne geholt wird. Hier kommt also das zum Tragen, was gemein- hin kulturelle Bildung genannt wird, und die ist eine Haltungsfrage. Mit zehn Neuinszenie- rungen will das TdJW in der neuen Spielzeit dem Publikum den »Kulturrucksack packen« Das TdJW startet in die neue Spielzeit und auch andere haben sich aufs Kinder- und Jugendpublikum eingeschossen Den Zuschauern kulturelles Rüstzeug mitgeben rOlFarnOlD,tOMschulZe Theater für junges Gemüse: »Drei Haselnüsse für Aschenbrödel« und »Der Ring für Kinder« Die Entdeckung der jungen Zuschauer ANZEIGE Oper Leipzig 14.15 TickeTs +49 (0)341-12 61 261 | www.oper-leipzig.de »IchbIn,wasIchbIn« EröffnungsgaladErMusIkalIschEnkoMödIE 12. / 13.sEptEMbEr2014 tagdEroffEnEntür opErnhaus|thEatErwErkstättEn 20.sEptEMbEr2014

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