
Die Bären sind los: Die 66. Berlinale gibt sich animalisch; Zwei Kurze
Film 029 0216 Termine 072 Kunst 060 Literatur 056 Theater 046 Musik 036 Spiel 034 Ein Bär geht durch Berlin. Zum ersten Mal seit Jahren verabschiedet sich die Berlinale vom kunstvoll-verquasten Leitmotiv, bei dem man sich Jahr für Jahr aufs Neue fragte, was es eigent- lich darstellen sollte. Stattdessen setzt man auf den Plakaten, die bereits das Bild der Hauptstadt prägen, ganz auf das pelzige Maskottchen. Dass das mit dem Geburtstag des Teddys zusammen- hängt, ist wohl eher unwahrscheinlich. Das Schaulaufen der Hollywood-Stars steht auch in diesem Jahr im Mittelpunkt des Blitzlichtinte- resses. Da hat die Berlinale allein mit der Holly- wood-Satire »Hail Caesar!«, dem neuen Werk der Coen-Brüder, das die Filmfestspiele eröffnen wird, schon gute Karten. Josh Brolin, George Clooney, Ralph Fiennes, Jonah Hill, Scarlett Johansson, Frances McDormand, Tilda Swinton und Channing Tatum könnten am 11. Februar über den roten Teppich wandeln und grad von der allgemeinen Clooney-Hysterie alle paar Jahre weiß man ja, dass er Berlin treu ist. »Mid- night Special« von Jeff Nichols (»Take Shelter«) mit Michael Shannon, Joel Edgerton, Kirsten Dunst, Adam Driver und Sam Shepard verspricht darüber hinaus ein extrem spannender Film zu werden. Auch »Genius« mit Jude Law, Nicole Kidman und Colin Firth, der Max Per- kins verkörpert, den Verleger literarischer Genies wie Thomas Wolfe, Ernest Hemingway und F. Scott Fitzgerald, bringt neben Star- Power einen interessanten Wettbewerbsfilm in die Hauptstadt. Auf der künstlerischen Seite locken neue Werke von Denis Côté, Rebecca Miller (»Maggie’s Plan« mit Ethan Hawke und Julianne Moore) und »The Guard«-Regisseur John Michael McDonagh. Die Retrospektive befasst sich mit »Deutschland 1966 – Filmische Perspektiven in Ost und West« und zeigt ausgehend vom Oberhausener Mani- fest rund zwanzig Spiel- und Dokumentarfilme aus Kino und Fernsehen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Und die Preisverlei- hung des queeren Filmpreises im 30. Jahr ist nach wie vor der Paradiesvogel im Nadelstreifen- zirkus der Internationalen Filmfestspiele. Welche politischen Impulse die Berlinale in ihrem 66. Jahr setzen kann, bleibt abzuwarten. Das Thema Flucht wird sicher auch hier ein beherrschendes sein. Wer das Rennen um die begehrten Bären machen wird, kann die geneigte Leserschaft neben Interviews und Rezensio- nen auf www.kreuzer-leipzig.de verfolgen. Aber schon jetzt ist eines sicher: Ausnahmslos alle werden sich auf ein Wiedersehen mit der dies- jährigen Jury-Präsidentin Meryl Streep freuen, die zuletzt vor vier Jahren den Ehrenbären ent- gegennahm. LARS TUNÇAY ▶ 66. Berlinale: 11.–21.2. ▶ www.berlinale.de Das Format des kurzen Films hat es schwer in den deutschen Kinos. Meist schafft es nur eine Handvoll der kleinen Meisterwerke gebün- delt als Kurzfilmrollen auf die Leinwände. Umso erfreulicher ist da die Renaissance des Vorfilms. Das Publikum der Kinobar Prager Frühling schätzt den doppelten Film zum einfachen Preis schon seit einer Weile. Nun zeigt auch die Cinémathèque ausgewählte Kurzfilme vor dem Haupt- programm. Das Besondere: Neben preisgekrönten nationalen und inter- nationalen Werken legt man ein besonderes Augenmerk auf das Schaffen an der HGB. So gibt es im Februar zum Beispiel »Oje Menthol!« von der Leipziger Animationsfilmerin Sara Bock zu sehen. Daneben ist Estland mit gleich zwei Filmen vertreten. Stilistisch sind dabei keine Grenzen gesetzt: Ob animiert, dokumentierend, fiktiv oder experimentell – die einzige Auflage ist die maximale Laufzeit von 14 Minuten. LTU ▶ cinematheque-leipzig.de Am 26.2. feiert die Memento-Programmvideothek am Dorotheenplatz ihren 5. Geburtstag und es wird ihr letzter sein. An dem Freitagabend heißt es »And the Oscar Goes To …« mit einem Vortrag der Filmwissen- schaftlerin Claudia Cornelius über die Geschichte der Oscars. Am Sonn- abend fällt dann der letzte Vorhang für das Memento. Andrea Cornelius hatte den Laden, der neben zahlreichen Filmperlen auch einen beliebten Späti beherbergt, gemeinsam mit ihrer Schwester Claudia mit viel Lei- denschaft aus der Asche des ehemaligen Filmgarten aufgebaut. Wie die Filmgalerie Alpha60, mit der das Memento zuletzt kooperierte, haben auch die Cornelius-Schwestern im Laufe der Zeit die Konkurrenz durch das Internet zu spüren bekommen. Für sie beginnt nun ein neuer Akt. Dem Kiez, der sich in den letzten Jahren mit Cafés und Läden wie dem Mzin gut entwickelt hat, geht ein zentraler Anlaufpunkt verloren.LTU ▶ www.memento-leipzig.de Tilda Swinton und Josh Brolin in »Hail Caesar!«: Die Coen-Brüder lassen die goldene Ära Hollywoods aufleben Eine Wolke, keine Zigaretten und was dann geschah: »Oje Menthol!« von Sara Bock Andrea und Claudia Cornelius nehmen Abschied von ihrem Filmschatz Die 66. Berlinale gibt sich animalisch Die Bären sind los Kurzes im Kommen Wenns am schönsten ist … UniversalPicturesInternationalsarabock sandraneuhaus