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kreuzer_09_2016

Stimmungsschwankungen oder Unvermögen: Das Ristorante Parma polarisiert zwischen Tiefkühlkost und ofenfrischer Pizza; Was ist ein Nudel Nerd?: Das Lokal verspricht kulinarische Köstlichkeiten, erfüllt sie aber leider nicht

080 Essen & Trinken 0916 Film 036 Spiel 042 Musik 044 Theater 056 Literatur 066 Kunst 070 Termine 092 Liebes Kreuzerteam, wir waren heute bei einem echten Italiener in Möckern namens Parma, ein sehr gelungener Abend liegt hinter uns.« Über E-Mails dieser Art freut sich die Redaktion ehrlich, zumal der Absender dann von der feinen Auswahl an Pasta, Pizza, Fleisch und Fisch schwärmte, den Bruschette aus selbst gebackenem Brot mit frischem und aroma- tischem Salat und selbst gemachten Ravioli mit frischem Spinat gefüllt, alles köstlich und zu sehr angenehmen Preisen. Sein Fazit: »Da steckt ein echter Italiener in dieser Küche!« An einem Donnerstagabend radeln wir hin und machen an genau der gleichen Stelle genau entgegengesetzte Erfahrungen. Aber der Reihe nach: Ohne vorbestellt zu haben, bekommen wir den letzten freien Tisch für zwei Personen. Auf zwei größeren Tischen stehen Reserviert-Schil- der. Das Lokal scheint gefragt, obwohl es keine Plätze im Freien hat. Weitere Gäste muss die freundliche Kellnerin wegschicken. Sie bringt uns zügig die Speisekarte, ein Glas Campari Tocco Rosso und frisches Weißbrot, das sie nach eigenem Bekunden selbst bäckt, je nachdem mal mit Oliven, mal mit Tomate. Etwas irritiert stelle ich beim ersten Lesen der Speisekarte fest, dass sie nur ein einziges Gericht mit Parma- Schinken (auf einer Pizza) offeriert, obwohl der Name des Lokals doch eine Steilvorlage für vielerlei Kombinationen hergibt. Etwas ver- wundert bin ich dann als Nächstes, dass die drei verschiedenen Sorten Bruschette mit Tomaten, Artischocken oder Olivenpaste nicht als Mix zu bekommen sind. »Das geht nicht«, lautet die Antwort der Kellnerin. Es gebe nur vier Scheiben mit dem gleichen Belag. Da mir das zu viel scheint, wähle ich als Vorspeise Minestrone. Was kam, war eine Suppe aus Tiefkühlsuppenge- müse aus der Tüte, einfach in Wasser gekocht und mit einem Schuss Öl aufgepeppt. Salz und Pfeffer füge ich selbst hinzu … Und weil auf der Karte steht, dass donnerstags Haxe angeboten wird, freut sich der Zweite am Tisch, dass wir genau richtig gekommen sind. Enttäuschung dann ebenso dabei: Auch am Donnerstag gibt es diese nur auf Vorbestellung. Also umgedacht und neu orientiert: Gnocchi mit Spinat und Gor- gonzola sollen es sein. Doch selbst dieses Gericht enttäuscht ob des offensichtlichen Rahmspi- nats aus der Tiefkühltruhe und kaum vorhan- denem Geschmack. Mehr Mut zu typischen Gewürzen hätte man dem Koch ebenfalls beim Scallopina mit Gorgonzolasauce und Rosma- rinkartöffelchen zu 15,90 Euro gewünscht. Da die gewählten Desserts, Tiramisu und Tartufo Nero, aus sind, nehme ich Tartufo Bianco. Dass das nicht hausgemacht ist, bestätigt sogar die Kellnerin. An den anderen Tischen wird fast aus- nahmslos Pizza bestellt. Vielleicht liegt darin eine Stärke des Padrones. Oder wer hatte an die- sem Abend die Kochmütze auf? PETRA MEWES ▶ Ristorante Parma, Kirschbergstr. 41a, 04159 Leipzig, Tel. 01 57/79 51 72 91, Mo/Di/Do/Fr 17–23, Sa/So 11.30–21.30 Uhr, Hauptgerichte um 10 € Stimmungsschwankungen oder Unvermögen Qualität ist Glückssache im Ristorante Parma Das Ristorante Parma polarisiert zwischen Tiefkühlkost und ofenfrischer Pizza SANDRA NEUHAUS Jahr um Jahr sprießen entlang der Karli immer neue Kneipen und Restaurants. An der Ecke zur Kurt-Eisner-Straße hat im Sommer »Nudel Nerd« eröffnet, eine Kombination aus stylischem Schnellrestaurant und Lieferdienst. Dabei hat das Lokal ein hehres Ziel vor Augen: Als »Zentrale des guten Geschmacks«, so die Webseite, ver- spricht es »ausgefallenste Saucen« und »kuli- narische Köstlichkeiten«. Auf den ersten Blick wirbt der Gastraum durch- aus für sich: So ist er mit gut zehn Sitzplätzen im Inneren und ein paar mehr an der Straße zwar nicht sonderlich groß, aber durchaus ansprechend eingerichtet. Grasgrün sind die Sitz- kissen, grasgrün der Tresen, grasgrün auch die Bratpfannen. Der Kühlschrank bietet aller- lei Limonaden sowie einige Biersorten. Eine schnelle Auffassungsgabe braucht, wer sich erstmals mit dem Kombinationssystem aus Nudeln, Saucen, Toppings, Käse und dergleichen auseinandersetzen will. Dass die anderen Gäste an diesem Tag ebenso konfus wirkten wie ich, war der Laune der latent genervten Bedienung nicht eben zuträglich. Das Maxi-XXL-Menü für zehn Euro sollte es dann sein und aus einer breiten Auswahl heller Pasta sowie Vollkorn- Penne und Gnocchi suchte ich mir dann die Grundlage für mein Mahl aus, dazu aus der Rubrik Sahnesaucen die mit Gorgonzola. Alter- nativ hätte man auch bei den Tomaten- oder vegetarischen Saucen fündig werden können. Mit diesen kulinarischen Köstlichkeiten plus Himbeer-Mascarpone als Dessert begebe ich mich an meinen Platz und stelle fest: Die Pasta ist zwar frisch gekocht, aber viel zu weich, die Sauce geschmacklich belanglos. Auch die anderen Gäste wirken nicht sonderlich beeindruckt, von »ausgefallensten Saucen« keine Spur. Und wäh- rend das Hauptgericht in hübschem Porzellan serviert wird, gibt es das Getränk aus der Fla- sche, das Dessert im Plastikbecher. Liegt der Fokus doch eher auf dem Lieferdienst? Um das ausprobieren zu können, muss man im Leip- ziger Süden wohnen. Kurz zusammengefasst: Ein Nerd war früher der sozialarme Streber, heute ist es die Vorstufe zum Hipster – mit einem Interessensfokus, der an Inselbegabung grenzt. Was ist ein Nudel Nerd? Keine Ahnung. Die Antwort darauf findet sich leider auch nicht auf der Karli 101. RUPRECHT LANGER ▶ Nudel Nerd, Karl-Liebknecht-Str. 101, 04275 Leipzig, Tel. 3 06 84 00, Mo–Sa 11.30–14.30 und 17–22, So 14–22 Uhr, kleine Portion 4,99 €, große Portion 5,99 €, www.nudelnerd.de Pasta für Streber? Nudel Nerd bleibt die Antwort schuldig FRANZISKA BARTH Was ist ein Nudel Nerd? Das Lokal verspricht kulinarische Köstlichkeiten, erfüllt sie aber leider nicht Tel. 0157/79517291, Mo/Di/Do/Fr 17–23, Sa/So Tel. 3068400, Mo–Sa 11.30–14.30 und 17–22,

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