
Schmähgedicht: Leipzig von Thomas Gisela; Grandhotel im Sozialismus: Ende September kommt das Hotel Astoria wieder – für eine Nacht
011 Kreuzfahrt 0916 Termine 092 Kunst 070 Literatur 066 Theater 056 Musik 044 Spiel 042 Film 036 Festwochen Wir laden euch ein zu unseren vom 27. August bis 11. september 2016 Kupfergasse 2 04109 leipzig TicKeTs 0341 21787878 AcAdemixer.com 1966 – 2016 Jahre AcAdemixer ANZEIGE Leipzig Grandhotel im Sozialismus Ende September kommt das Hotel Astoria wieder – immerhin für eine Nacht Sie war wie eine Kirchenmaus So arm und abgerissen. Jetzt heißt sie Boomtown und sieht aus, Als hätt’ wer Gold geschissen. Die Shopping Malls sind aus Saphir Und menschenleer zum Gähnen. In hippen Bars tropft dummes Bier Aus diamantnen Hähnen. So hat sie Stil und Charme und Flair, Die dickste aller Maden: Pro Tag frisst Leipzig ungefair Zehn West-Fantastilliarden. THOMAS GSELLA Aus: Von Aachen bis Zzwickau. Ihre Stadt im Schmähgedicht. JMB: Hannover 2016, 134 S., 9,95 € Wenn auch nur für eine Nacht: Am Abend des 30. September öffnet unter dem schwe- ren Baldachin des Astoria eine zehn Meter lange Bar, mobil und mondän. Dort lässt sich dann nachsinnen über Grandhotels im Sozia- lismus: zum Beispiel anhand Werner Tübkes fünf Gemälden, die seit 1958 im Astoria-Speise- saal hingen und nach Schließung des Hotels abgehängt wurden. Heute kann man sie in Bad Frankenhausen besichtigen. Sie tragen den schönen Titel »Die fünf Kontinente«. Im Jahr 2007 thematisierte die Fotografin Margarete Hoppe den Wandel in ihrer Arbeit »Die ver- schwundenen Bilder«. Organisiert wird der Abend Ende September vom Verein Kunst- räume, der ihn als Performance versteht: »Tübkes verschwundene Bilder werden mit neuem Leben gefüllt«, heißt es. Und: »Der rote Teppich wird noch einmal ausgerollt, das Phan- tom-Hotel Astoria mit Musik aus allen Konti- nenten belebt.« Die Verwerfungen in den Gesell- schaften der Welt sind ja nicht weniger gewor- den, das Immobilienwesen bildet dies exempla- risch ab. Nach zwanzig Jahren Leerstand und allerlei gescheiterten Anläufen sollte es lang- sam so weit sein, diese Hütte wieder nutzbar zu machen. Vorerst wird an diesem Abend die groß- artige Astoria-Leuchtreklame wieder ange- knipst. Wenn auch nur für eine Nacht. MAW XX Nicht ohne Stil: Die historische Leuchtreklame in einer Aufnahme aus den achtziger Jahren WOLFRAM KASTEN