
0916 003 Termine 092 Kunst 070 Literatur 066 Theater 056 Musik 044 Spiel 042 Film 036 Editorial Sommerzeit ist Urlaubszeit ist Reisezeit – und so waren viele bestimmt mal wieder für längere Zeit draußen auf dem Lande. Ich auch, nämlich in Mecklenburg, wo ich herkomme (wobei Rostock nicht wirklich zu Mecklenburg gehört, aber das steht auf einem anderen Blatt). Es gibt dort einen Zeltplatz, inmitten der Seenplatte, da bin ich schon als Kind mit meinen Eltern hinge fahren, er liegt in der Nähe des Städtchens Mirow. Ich kenne den Landstrich wie meine Westen tasche und war auch in den letzten Jahren immer mal wieder dort. Klar, es ist eine Nazigegend, das weiß man ja, und manchmal sah man die Typen auch rumstehen auf dem Parkplatz mit ihren Autos. Doch in diesem Jahr war es anders: Jetzt laufen sie da überall rum, so offen und offensiv wie zuletzt in den neunziger Jahren. Nazis, kostümiert mit T-Shirts und Sprüchen wie »Gute Heimreise!«, »I love Pegida«, »Ein Volk, eine Nation«, »Abschiebär« oder sogar »N.A.Z.I. – Nicht an Zuwanderung interessiert«. Allein acht solcher Leute zählte ich morgens um acht beim Brötchenholen. Sie spazieren da ganz offen auf der Hauptstraße rum, geben in der Kauf halle ihre Flaschen ab und keiner sagt was, keiner wundert sich. Das war ganz schön gruselig. Also, lange Rede, kurzer Sinn: Herzlichen Dank an die Antifa und an alle, die sich in linken Strukturen engagieren, für euren Widerstand und dafür, dass es so was hier nicht gibt. Doch nun zum aktuellen Heft: Wir haben uns diesmal in die Welt der klassischen Musik bege ben, genauer gesagt: in die der Musikstudenten und ihrer Chancen beim Übergang in die Be rufswelt. Letztere sind nämlich ausgesprochen mies – ein wenig war es schon immer so, doch der Zustand ist in den letzten Jahren drama tischer geworden, denn während Orchesterstel len abgebaut werden, steigt die Zahl der Absol venten. Für Studenten klassischer Instrumente gibt es nach dem Ende ihres Studiums im Grun de zwei Optionen: Entweder bekommen sie eine der raren Orchesterstellen oder sie schlagen sich – meist für den Rest ihres Lebens – auf äu ßerst prekärem Niveau als Musiklehrer durch, vielleicht, mit etwas Glück, landen sie als freier Lehrbeauftragter an der Universität. Besonders tragisch ist die Fallhöhe zwischen beiden Per spektiven. Orchesterstellen sind relativ gut bezahlt und sie gelten quasi als Jobs auf Lebens zeit, wer eine ergattert, kann sein Berufsleben ruhig und in Würde bewältigen. Auf der anderen Seite sieht es leider ganz anders aus – und hier liegt das Problem. Es beginnt mit dem enormen Druck, dem Studenten am Ende ihres Studiums ausgesetzt sind, wenn vielleicht ein Vorspiel darüber entscheidet, welchen Weg man gehen darf oder muss. Wie genau es in Leipzig – einer Stadt mit gleich zwei großen Profiorchestern und einer renommierten Musikhochschule – aus sieht, erzählt kreuzer-Autorin Sophie Aschen brenner in unserer Titelgeschichte ab Seite 22. UndwovielleichtLösungsansätzeliegenkönnten, klären wir in zwei Interviews gleich nebenan. Tja, und zuletzt sei erwähnt, dass Sie, liebe Lese rinnen und Leser, gerade den dicksten kreuzer der letzten Jahre in den Händen halten: 120 Seiten haben wir für Sie vollgeschrieben. Ja, sapperlot! Da gibt es natürlich eine ganze Menge zu ent decken. Lesen Sie mal alles durch und schreiben Sie mir, wie es war! Viel Spaß dabei! ANDREAS RAABE ▶ chefredaktion@kreuzer-leipzig.de FRANZISKA BARTH Pinnwand in der HMT: Viele Absolventen der Musikhochschule blicken in eine unsichere Zukunft ANZEIGE